Verpflegungsmehraufwendungen (VMA) in WILSON — Funktionsbeschreibung

Was sind VMA?

Verpflegungsmehraufwendungen (VMA), auch „Per Diems" oder Tagespauschalen genannt, sind Erstattungen, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern bei beruflich bedingter Abwesenheit von der ersten TĂ€tigkeitsstĂ€tte gewĂ€hren können — etwa zur Abgeltung erhöhter Verpflegungskosten auf Reisen oder EinsĂ€tzen.

Wichtig: Es handelt sich nicht um eine gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers, sondern um eine freiwillige Leistung. Ob und in welcher Höhe VMA gewÀhrt werden, liegt im Ermessen des Unternehmens und wird in der Regel tarifvertraglich oder individualvertraglich geregelt.

Steuerfreiheit: VMA sind bis zu einer gesetzlich festgelegten Freigrenze steuerfrei. Diese Freigrenze ist lĂ€nderspezifisch — fĂŒr InlandseinsĂ€tze gelten die deutschen SĂ€tze, fĂŒr AuslandseinsĂ€tze abweichende, lĂ€nderbezogene Werte. Übersteigt die gewĂ€hrte VMA die Freigrenze, ist der darĂŒber liegende Betrag lohnsteuerpflichtig.

In WILSON sind die Pauschalen aktuell fest auf die deutschen Steuerfreiheitsgrenzen konfiguriert:

Kategorie

Betrag

Ganztagesabwesenheit

28,00 €

Abwesenheit > 8 Stunden

14,00 €

Abzug FrĂŒhstĂŒck

− 5,60 €

Abzug Mittagessen

− 11,20 €

Abzug Abendessen

− 11,20 €

Aktuelle EinschrÀnkung: AuslandseinsÀtze

WILSON berechnet VMA derzeit ausschließlich auf Basis der deutschen Steuerfreiheitsgrenzen — unabhĂ€ngig davon, in welchem Land der Einsatz stattgefunden hat. Eine automatische Anwendung lĂ€nderspezifischer AuslandssĂ€tze wird aktuell nicht unterstĂŒtzt.

Wenn Mitarbeiter im Ausland eingesetzt waren, mĂŒssen die VMA-BetrĂ€ge nach dem Export manuell geprĂŒft und ggf. korrigiert werden, bevor sie in der Lohnabrechnung verarbeitet werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die auslĂ€ndischen TagessĂ€tze von den deutschen SĂ€tzen (28 € / 14 €) abweichen.


Voraussetzungen

Damit VMA fĂŒr eine Schicht berechnet werden, mĂŒssen folgende Bedingungen erfĂŒllt sein:

  1. Das Modul WILSON Payroll ist aktiv.
  2. Die VMA-Lohnart ist in den Lohneinstellungen der betroffenen Person fĂŒr den Schichttag hinterlegt.
  3. Die Schicht befindet sich im Status „Eingereicht", „Zeiten akzeptiert" oder „An Lohnanbieter ĂŒbermittelt".
  4. Die Schicht enthĂ€lt gemeldete AktivitĂ€tenzeiten (d. h. der Mitarbeiter hat Start und Ende der TĂ€tigkeiten ĂŒber die App gemeldet).

Das Fundament: „Abwesenheit von zu Hause" statt Schichttag

Dieser Punkt wird oft missverstanden. Er entscheidet aber ĂŒber die Berechnungen.

WILSON berechnet VMA nicht direkt auf Basis des Schichtdatums, sondern konstruiert aus den gemeldeten AktivitĂ€tenzeiten sogenannte „Abwesenheitsstrecken" (Away-from-Home-Trips). Erst auf Basis dieser Strecken wird geprĂŒft, ob und welche Tagespauschale fĂŒr welchen Kalendertag entsteht.

Was ist ein „Away-from-Home-Trip"?

Ein Trip ist ein zusammenhĂ€ngender Zeitraum, in dem sich der Mitarbeiter außerhalb seines Heimatstandortes befindet, ohne dazwischen nach Hause zurĂŒckgekehrt zu sein.

Heimatstandort ist dabei entweder:

  • der im Mitarbeiterprofil hinterlegte Heimatstandort, oder
  • der Standort seiner Organisationseinheit.

Jede gemeldete AktivitĂ€t enthĂ€lt Informationen ĂŒber den Ort zu Beginn und Ort am Ende der TĂ€tigkeit. Aus diesen Start- und Endorten wird ermittelt, ob der Mitarbeiter in der TĂ€tigkeit zu Hause gestartet oder geendet hat. Mehrere aufeinanderfolgende AktivitĂ€ten ohne Heimkehr dazwischen werden zu einem einzigen, zusammenhĂ€ngenden Trip zusammengefasst.

Ein neuer Trip beginnt, wenn:

  • der Mitarbeiter zwischen zwei AktivitĂ€ten zwischenzeitlich nach Hause zurĂŒckgekehrt ist, oder
  • zwischen zwei AktivitĂ€ten eine LĂŒcke von mehr als einem vollen Kalendertag liegt.

Wie lÀuft die Berechnung ab?

Schritt 1 – Auslöser (Trigger)

Die Berechnung wird automatisch ausgelöst, wenn:

  • eine Schicht den Status „Eingereicht" erreicht (→ vorlĂ€ufige Transaktion)
  • eine Schicht den Status „Zeiten akzeptiert" erreicht (→ finale Transaktion)
  • eine Schicht gelöscht wird (→ bestehende Transaktionen werden entfernt)

Schritt 2 – Kontextfenster bestimmen

Beim Auslösen betrachtet WILSON alle relevanten Schichten des Mitarbeiters aus einem Zeitfenster von ±2 Tagen um das Schichtdatum herum. So werden auch direkt vor- oder nachgelagerte Schichten berĂŒcksichtigt, die denselben „Trip" bilden könnten.

Schritt 3 – AktivitĂ€tenzeiten auswerten

FĂŒr jede Schicht im Kontextfenster werden die gemeldeten AktivitĂ€tenzeiten ausgewertet:

  • Gemeldete Startzeit und Gemeldete Endzeit jeder AktivitĂ€t
  • Startort und Endort jeder AktivitĂ€t (Heimatstandort oder auswĂ€rts)

Nicht-gemeldete, ĂŒbersprungene oder stornierte AktivitĂ€ten werden ignoriert.

Schritt 4 – Trips konstruieren

Aus den AktivitÀten-Zeitrahmen werden zusammenhÀngende Abwesenheitsstrecken (Trips) gebildet (siehe oben). Das Ergebnis ist eine Liste von Trips mit jeweils:

  • Startzeit (wann der Mitarbeiter zu Hause losfuhr)
  • Endzeit (wann er zurĂŒckgekehrt ist oder die letzte AktivitĂ€t endete)
  • Anzahl der Schichten, die Teil dieses Trips sind

Schritt 5 – Tagespauschale je Kalendertag berechnen

WILSON prĂŒft dann fĂŒr ein Berechnungsfenster von Tag vor dem Schichtdatum bis Tag nach dem Schichtdatum (also 3 Tage), ob und welche Pauschale fĂŒr jeden Kalendertag anfĂ€llt:

Bedingung (in PrioritÀt)

VMA-Betrag

Mitarbeiter war den gesamten Kalendertag auswÀrts (Mitternacht bis Mitternacht)

28,00 €

Gesamtabwesenheit an diesem Tag > 8 Stunden

14,00 €

Es ist ein Anreise-/Abreisetag eines mehrtÀgigen Trips

14,00 €

Gesamtabwesenheit ≀ 8 Stunden

0,00 €

Wichtig: Genau 8 Stunden Abwesenheit ergibt noch keine Pauschale — es mĂŒssen mehr als 8 Stunden sein.

Schritt 6 – MahlzeitenabzĂŒge anwenden

Falls fĂŒr die Schicht gestellte Mahlzeiten hinterlegt sind (FrĂŒhstĂŒck, Mittagessen, Abendessen), werden die entsprechenden BetrĂ€ge vom berechneten VMA-Betrag abgezogen. Der Betrag kann dabei nie unter 0 € sinken.

Informationen zu Mahlzeiten können vom Mitarbeiter beim Einreichen der Schichten erfasst werden.

Schritt 7 – Transaktion speichern (Upsert)

FĂŒr jeden Kalendertag, an dem eine VMA anfĂ€llt, wird eine Lohntransaktion gespeichert. Diese ist eindeutig durch die Kombination aus:

  • Kalenderdatum der Abwesenheit
  • Mitarbeiter
  • VMA-Lohnart

Das bedeutet: Mehrere Schichten am selben Tag ergeben trotzdem nur eine VMA-Transaktion — sie werden kumuliert. Und wenn eine Schicht mehrere Tage ĂŒbergreift, entstehen mehrere Transaktionen fĂŒr verschiedene Kalendertage.


Warum kann eine VMA fĂŒr den Folgetag entstehen, wenn die Schicht am Vortag war?

Dieses PhÀnomen ist direkt aus der Konstruktionsweise erklÀrbar:

  1. Das Schichtdatum (startDate) gibt nur den geplanten Beginn an — z. B. 2024-01-15.
  2. Die gemeldeten AktivitĂ€tenzeiten können sich jedoch bis in den nĂ€chsten Kalendertag erstrecken — z. B. Arbeitsende um 03:00 Uhr am 2024-01-16.
  3. WILSON berechnet immer fĂŒr den Tag vor, den Tag der Schicht und den Tag danach.
  4. Da der Mitarbeiter gemĂ€ĂŸ gemeldeten Zeiten am 2024-01-16 noch auswĂ€rts war, entsteht fĂŒr diesen Kalendertag eine VMA-Transaktion — obwohl das Schichtdatum der 15. war.

Das System rechnet nach tatsÀchlicher Anwesenheit, nicht nach Datum auf dem Schichtzettel.


Besonderheiten und GrenzfÀlle

MehrtÀgige Abwesenheiten (Reiseketten)

Wenn ein Mitarbeiter ĂŒber mehrere Tage auswĂ€rts ist und tĂ€glich Schichten hat, werden die einzelnen Schichten zu einem einzigen, durchgĂ€ngigen Trip zusammengefĂŒhrt. An- und Abreisetag erhalten automatisch die kleine Pauschale (14 €), die vollstĂ€ndigen Zwischentage erhalten die große Pauschale (28 €).

Zwischenheimkehr bricht den Trip

Kehrt der Mitarbeiter zwischen zwei Schichten kurz nach Hause zurĂŒck, endet der Trip. Falls an einem spĂ€teren Tag wieder ein neuer Trip beginnt, wird die Abwesenheitszeit neu gerechnet — sie wird nicht mit der vorherigen Trip-Zeit addiert.

LĂŒcken im Trip (> 1 Tag ohne AktivitĂ€t)

Liegt zwischen zwei Schichten eine LĂŒcke von mehr als einem vollen Kalendertag ohne gemeldete AktivitĂ€t, gilt der Trip als unterbrochen. Die nachfolgende Schicht startet einen neuen Trip.

Sommerzeit (Zeitumstellung)

Da alle Berechnungen timezone-bewusst in der Zeitzone Europe/Berlin erfolgen, werden Tage bei Zeitumstellung korrekt behandelt:

  • Uhrzeitumstellung auf Sommerzeit: ein Calendertag hat 23 Stunden → Ganztagesabwesenheit = 23 Stunden
  • Uhrzeitumstellung auf Winterzeit: ein Kalendertag hat 25 Stunden → Ganztagesabwesenheit = 25 Stunden

Idempotenz

Die Berechnung kann beliebig oft fĂŒr dieselbe Schicht erneut ausgelöst werden (z. B. wenn der Mitarbeiter die Zeiten korrigiert). Bestehende Transaktionen werden aktualisiert, nicht dupliziert.


Zusammenspiel mit dem Lohnexport

VMA-Transaktionen erscheinen in der ZeitĂŒbersicht des Mitarbeiters in der Spalte „VMA" bzw. „Per Diem" und fließen bei der nĂ€chsten LohnĂŒbergabe automatisch in den Export an DATEV oder SAP HR ein. VorlĂ€ufige Transaktionen (Schicht im Status „Eingereicht") werden als solche markiert und erst nach Akzeptierung der Zeiten finalisiert.


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